Meine Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2018/19

Einführung in die gesamte Strafrechtswissenschaft
Prof. Dr. Felix Herzog
Mo 8 – 10 / Mi 10 -12 HS 0070

Die Veranstaltung soll eine erste Orientierung über das Phänomen “Kriminalität” und seine Verarbeitung durch das Kriminaljustizsystem bieten. Es geht im ersten Modul (bis Ende November) darum, eine gemeinsame Basis zu erarbeiten: so geht es um die Korrektur von Medieneindrücken und Alltagstheorien über Verbrechen; um Theorien über die Ursachen von Kriminalität und über die Wirkungsweise des Strafrechts; die Freiheitsstrafe und das Gefängnis als Institution. Im zweiten Modul lernen Sie nach einem Überblick zu Aufbau und Inhalt des StGB zunächst die verschiedenen Formen strafbaren Handelns und sodann die Methode der strafrechtlichen Falllösung kennen. Zu der Vorlesung wird ein abgestimmtes Lehrprogramm in Kleingruppen angeboten.

Ethik und juristische Entscheidungen – Teil 1
Blockveranstaltung (Fortsetzung im Sommersemester 2019)
Entgegen einer vielfach bei Laien und auch in der Rechtswissenschaft anzutreffenden Fehlvorstellung erschöpft sich Rechtsfindung nicht in der Subsumtion eines Sachverhalts unter eine gesetzliche Norm (entscheidende Person als »Subsumtionsautomat«). Dieses so genannte positivistische Rechtsverständnis ist auf dem Rückzug. Vielmehr wird Entscheidungstätigkeit heute in einer Reihe von psychologischen, politischen, ökonomischen und philosophischen Zusammenhängen betrachtet, die weit über die bloße Anwendung von Recht hinausreichen. Wir greifen in der Veranstaltung die philosophische Dimension des Problems heraus.
In der Ethik wird nach allgemeingültigen Antworten auf die Frage nach dem richtigen Handeln gesucht. Wie soll ich mich in dieser Situation verhalten? Wie sollte sich in meiner Entscheidung die angemessene Abwägung der betroffenen Güter zeigen? Die einfachste und klassische Formulierung solcher Fragen stammt von Immanuel Kant: „Was soll ich tun?“
Dabei kann sich die Entscheidung (in einer sehr groben Bezeichnung der beiden philosophischen Hauptpositionen) an Handlungsprinzipien oder an Handlungsfolgen orientieren. Ein solches Handlungsprinzip findet sich klassisch im Kategorischen Imperativ bei Kant: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. Die utilitaristische Ethik dagegen formuliert: Eine Handlung ist dann moralisch richtig, wenn sie das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl von Menschen bewirkt.
Im ersten Block der Veranstaltung (23. – 25.11.2018) werden wir nach einer kurzen Einführung gemeinsam ein Lehrbuch zu den Grundlagen der Ethik durcharbeiten.

Hohn, Hetze und Schmähungen – strafrechtliche Grenzen der Kunst- und Meinungsfreiheit
Do 16 – 18 GW 1 C 2320
In der Öffentlichkeit wird aktuell von vielen beklagt, dass der sprachliche Umgang mit Menschen immer schamloser, übergriffiger, ja gewalttätig wird. Das reicht von rassistischer Pöbelei auf Fußballplätzen und in sozialen Netzwerken, über homophobe und frauenverachtende Texte im sog. Gangsta-Rap, über religionsfeindliche Äußerungen insbesondere zum Islam und der katholischen Kirche, bis hin zu kontrovers diskutierten Formen der Satire (Böhmermann). Auch in der Politik ziehen Äußerungen immer häufiger Ermittlungen wegen Volksverhetzung nach sich. Diese Entwicklung wirft grundsätzliche Fragen nach der Funktion und den (verfassungsrechtlichen) Grenzen des strafrechtlichen Schutzes von Rechtsgütern wie Ehre, religiösen Gefühlen oder dem öffentlichen Frieden auf; wir werden aber auch sehen, dass die Entscheidungen für oder gegen eine strafrechtliche Intervention im jeweiligen Einzelfall komplexe Fragen aufwerfen. Nach einem „Allgemeinen Teil“ von 2 Doppelstunden werden wir anhand von Fällen und Entscheidungen in einem „Besonderen Teil“ verschiedene Problemfelder und Straftatbestände behandeln. Der „Besondere Teil“ wird durch Referate der Studierenden gestaltet.